Recycling

Warum müssen moderne energieeffiziente Lampen gesondert abgegeben werden?

Seit dem 13. August 2005 gilt die Europäische Richtlinie über Elektro- und Elektronik-Altgeräte (WEEE = Waste of Electrical and Electronic Equipment) und wurde im Jahr darauf in Deutschland durch das Elektro- und Elektronikgerätegesetz – kurz ElektroG – umgesetzt. Seitdem müssen alle sogenannten Gasentladungslampen, unter anderem Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren, aber auch LED-Lampen gesondert gesammelt und fachgerecht recycelt werden. Aus ökologischer Sicht ist es unabdingbar, diese Lampen einem gesonderten Verfahren zuzuführen, da alle genannten Lampen zum einen wertvolle Sekundärrohstoffe wie Glas und Metall enthalten, Gasentladungslampen aber zum anderen auch eine geringe Menge an Quecksilber enthalten, die es fachgerecht zu verwerten gilt.

Wie genau funktioniert das Altlampen-Recycling?

Für das Lampenrecycling gibt es verschiedene Verfahren. Grundsätzlich werden aber alle Lampen in ihre Einzelbestandteile zerlegt, damit diese im Anschluss fachgerecht aufbereitet und entweder in industrielle Anwendungen zurückgeführt oder entsorgt werden können. Das sortenreine Glas der Leuchtstofflampen geht direkt zurück in die Lampenproduktion, während Mischglas aus Energiesparlampen in anderen industriellen Anwendungen Verwendung findet. Das Metall der Sockel wird recycelt und ebenfalls in der Industrie wiederverwendet.

Das Kapp-Trenn-Verfahren

Im Kapp-Trenn-Verfahren werden vorwiegend Leuchtstoffröhren recycelt. Zunächst werden die Röhren bei Unterdruck zerlegt und dabei belüftet. Wie der Name schon andeutet, werden dabei die Lampenenden abgetrennt und die enthaltenen Metall- und Bleiglasbestandteile separiert. Danach wird der quecksilberhaltige Leuchtstoff aus dem verbliebenen Glasrohr geblasen oder beim Brechen abgesaugt und gesammelt. Die Leuchtschicht wird als Sonderabfall entsorgt. Die gereinigte Glasröhre wird zerkleinert, um darauf folgend mit Hilfe eines Metallabscheiders alle verbliebenen Metallreste aus den Glasscherben zu entfernen. So kann das Glas bei der Herstellung neuer Leuchtstoffröhren eingesetzt werden.

Das Glasbruchwaschverfahren

Im Glasbruchwaschverfahren können große Mengen verschiedener Lampentypen verarbeitet werden. Auch bereits gebrochene Lampen und anfallender Produktionsausschuss werden hier verwertet. In einem ersten Schritt werden die Lampen in die Anlage eingefüllt und zerkleinert. Die größtenteils metallenen Endkappen von Leuchtstoffröhren werden in einer magnetischen Trommel von den anderen Materialien abgetrennt. Das in kleine Stücke zerbrochene Glas wird in ein sogenanntes Vibrobecken gefüllt. Dabei handelt es sich um ein vibrierendes Wasserbecken, in dem der Leuchtstoff von den Lampenscherben getrennt wird. Das Glas wird dabei mit Wasser abgespült. In einem Sedimentationsbecken sammelt sich ein Großteil des mit Quecksilber versetzten Leuchtstoffpulvers. Letztlich wird dieses durch Einsatz des Drehrohrdestillationsverfahrens vom Quecksilber getrennt. Kohlenwasserstoffe, Wasser und Quecksilber werden dabei zunächst verdampft, um dann getrennt kondensiert zu werden. Das Ergebnis ist zu 99,9% reines Quecksilber, das der Wiederverwendung zum Beispiel in der Lampenindustrie oder auch der Chlor- oder Chemieindustrie zugeführt wird. Die Glasbruchstücke werden nach der Reinigung gesiebt, um Fremdpartikel zu vermeiden, und dann in verschiedene Fraktionen eingeteilt: Natron-Kalkglas, Bleiglas und Metalle. Das Natron-Kalkglas wird bei der Produktion neuer Leuchtstofflampen benutzt.

Das Shredderverfahren

Auch dieses Verfahren lässt die Verwertung aller Lampentypen, Lampenbruchs und Produktionsabfällen zu. In drei Schritten werden diese im Shredderverfahren recycelt. Zunächst werden die ausgedienten Lampen zerkleinert. Danach werden die Bruchstücke nach Korngrößen aufgeteilt. Es entstehen drei Fraktionen: Die Grobfraktion, die mittlere Fraktion und die Feinfraktion. In der Grobfraktion befinden sich die Lampenenden oder Lampensockel, die mittlere Fraktion umfasst Glas und Kunststoff mit einer Korngröße von etwa 5mm und die Feinfraktion umfasst Leuchtstoffpulver und Glasstaub. Metallene Teile werden weiterverwertet, um in der Industrie wieder eingesetzt werden zu können. Die Mischglasscherben werden für Glasprodukte mit geringen Reinheitsansprüchen oder als Zuschlagsstoff zum Beispiel zum Verglasen oder Verschäumen verwendet.

Das Zentrifugal-Separationsverfahren

Dieses Verfahren kann zum Recycling aller nicht-stabförmigen Lampen eingesetzt werden. Die Lampen werden hierbei in einer Zentrifuge in zwei Fraktionen getrennt: Glas und Metall/Kunststoff (also Glas und Lampenfassungen). Während die zwei Bestandteile voneinander getrennt werden, wird das Leuchtmittel abgesaugt und über Filteranlagen abgesondert. Die Glasteile werden anschließend einer thermischen Behandlung unterzogen, um sie danach wieder dem Produktionskreislauf zuzufügen. Die übrig bleibenden Fassungen, Metall- und Elektronikteile werden in einem Schredder zermahlen. Um die Metalle aus den Kleinteilen herauszufiltern, wird ein Magnet eingesetzt. Das Metall geht dann in die Metallverwertung und kann für technische Anwendungen in der Lampenherstellung oder anderen industriellen Zweigen eingesetzt werden.

Outputfraktionen von Altlampen

Beim Recycling von Altlampen werden die folgenden Outputfraktionen separiert:

  • 80-90% Glas. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Natron-Kalkglas, das bei der Produktion neuer Lampen eingesetzt wird.
  • 7-14% metallische Komponenten und Kunststoffe. Diese werden separiert und industrieller oder thermischer Verwertung zugeführt.
  • 1-3% Leuchtstoffpulver. Das Leuchtstoffpulver wird fachgerecht in Spezialdeponien bis zur möglichen Wiederverwertung verbracht.
  • < 0,01% Quecksilber. Bei Destillation des Quecksilbers aus dem Leuchtstoff wird dieses recycelt und kann industriell wieder verwendet werden.
Diese verschiedene Bestandteile von Energiesparlampen sind verwertbar.